Rede · Sybilla Nitsch · 26.03.2025 Nachbartarif im deutsch-dänischen Grenzland ausweiten
„Die Tarifsysteme im Grenzland müssen vereinheitlicht werden, damit die Überquerung der Grenze nicht am Tarifdschungel scheitert.“
Sybilla Nitsch zu TOP 15 - Nachbartarif im deutsch-dänischen Grenzland ausweiten, für einen gestärkten ÖPNV (Drs.20/3031)
Die deutsch-dänische Grenzregion ist etwas Besonderes.
Im Gegensatz zu anderen Grenzregionen gibt es keine von Natur aus geografisch trennende Grenze in Form von großen Flüssen oder Bergen. Die Grenze zu überqueren ist eigentlich ganz leicht. Eigentlich.
Denn so ganz einfach ist es dann doch nicht, insbesondere wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist.
In einigen Fällen gleicht die Überquerung der Grenze eher einem Hindernislauf und der Tarifdschungel verhindert einen schnellen Überblick über geltende Tarife.
Wie gut, dass im Koalitionsvertrag dazu folgendes vereinbart wurde.
Neben den allgemeinen Platzhaltern, den ÖPNV grenzüberschreitend zu stärken, gibt es da einige konkretere Formulierungen: Ich zitiere: „Gemeinsam mit Dänemark wollen wir außerdem die Möglichkeit eines Fahrkartenangebotes für Grenzpendelnde prüfen und streben dabei die kurzfristige Wiedereinführung des Grenzkieker-Tickets an. Langfristig ist es unser Ziel, dass alle Bürgerinnen und Bürger in der Grenzregion zu einheitlichen Konditionen mit dem ÖPNV mobil sein können.“ Das Ergebnis meiner Kleinen Anfrage zum Thema Nachbarschaftstarif, spricht eine ganz andere Sprache, es sind keine Verhandlungen geplant, ist es keine Ausweitung geplant, von daher an dieser Stelle die Erinnerung an das gemeinsame Ziel.
Nachbarschaftstarife sind ein wichtiger Bestandteil der grenzüberschreitenden Mobilität. Vor allem für Pendelnde.
Ich denke da etwa an viele junge Menschen, die auf der anderen Seite der Grenze ihre Schule, ihren Ausbildungs- oder Praktikumsplatz besuchen. Dabei muss das Rad nicht neu erfunden werden.
In der Region bei uns an der Westküste funktioniert der Nachbarschaftstarif schon sehr gut und ermöglicht eine rege kollektive Mobilität zwischen Tønder, Niebüll und der näheren Umgebung
Das Semesterticket, sowie das Schüler-Deutschlandticket gelten bis Tønder, das bietet unheimliche Vorteile, weil so auch die verschiedenen Ausbildungsangebote gut genutzt werden können.
Doch das System hat Lücken und nicht überall in der Grenzregion funktioniert es so gut wie in Nordfriesland.
Wenn man in Oeversee oder Husby wohnt und von dort nach Aabenraa oder Sønderborg pendeln möchte, dann hat man das Nachsehen.
Hier findet der Nachbarschaftstarif keine Geltung.
Es gibt eine dänische Regelung, nämlich dass junge Personen die sog. „ungdomskort“ bekommen können, die für die Flensburg-Zone gilt. Hört sich attraktiv an, hat aber den Haken, dass junge Personen in Schleswig-Flensburg diese Chance nicht bekommen.
Für dieses Gebiet greift also keine der Tarifabsprachen.
Das Wirrwarr, was Personen erleben können, wenn sie einfache Fahrten über die Grenze begehen wollen, reicht von fehlendem Bargeld oder keinem Zugang zu Mobilepay, bis hin zu Ergänzungstickets. Die Debatte zur Linie 110 und dem Zustand, dass das Semesterticket nicht bis Sønderborg gilt, wo doch die Partnerhochschule des Landes liegt, würde den Rahmen sprengen.
Wir meinen die gesamte Grenzregion sollte die gleichen Möglichkeiten und Chancen haben. Entscheidend ist es dabei, die gesamte Region mitzunehmen und die logischen, ich nenne sie mal, Endpunkte wie etwa: Tønder, Tinglev, Sønderborg und Aabenraa mit unseren zu verknüpfen.
Die Tarifsysteme im Grenzland müssen vereinheitlicht werden. Aus den bestehenden Ansätzen müssen die Partner ein flächendeckendes System entwickeln können. Eine Menge an Menschen würde danken, und ein Teil der Barrieren für eine freizügige Mobilität wären abgebaut.
Hier würden alle Absichtserklärung endlich mal Umsetzung erfahren.
Unsere Grenzregion wird oft gelobt und ihre Vorbildfunktion wird ebenfalls gerne hervorgehoben. Auch hier im Hohen Haus.
Bezüglich der Mobilität und vor allem der Durchschlagskraft des öffentlichen Nahverkehrs – vom Fernverkehr ganz zu schweigen – gibt es noch deutlich Luft nach oben. Andere Regionen sind da besser aufgestellt, wie etwa die Euregio Rhein-Maas. Die Zeit drängt auch in der neuen deutsch-dänischen Grenzregion.
In nur wenigen Jahren werden wir eine deutlich veränderte Mobilität in im Süden unseres Landes haben, nämlich so bald die Feste Fehmarnbeltquerung steht. Tatsächlich braucht es in dieser Situation stabile Tarifabsprachen, damit der ÖPNV von Anfang mit einem attraktiven Angebot ins Rennen gehen kann. Dafür gilt es jetzt die Weichen zu stellen. Folgen Sie unserer Spur, das Grenzland wartet auf diese Lösungen.