Speech · Jette Waldinger-Thiering · 28.03.2025 Nicht noch mehr an der Bildungsqualität sparen!
„Was bringt zum Beispiel die Erhöhung von zwei Stunden in der Kontingentstundentafel der Grundschule, wenn dann das dreifache der Stunden in der Kontingentstundentafel ab der fünften Klasse wieder reduziert wird? Obendrauf wird dann noch ein neues Fach eingeführt und somit noch mehr Druck im Lehrplan erzeugt.“
Jette Waldinger-Thiering zu TOP 13 - Sicherung der Unterrichtsqualität - keine Kürzungen bei der Kontingentstundentafel (Drs. 20/3014)
Wir haben oft genug über die alarmierenden Ergebnisse verschiedenster Bildungsstudien und Aussagen von Bildungsexperten gesprochen.
Am Ende kommen wir immer zu dem gleichen Ergebnis, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit ist unser Bildungssystem aufgrund unterschiedlichster Herausforderungen am Limit.Im internationalen Vergleich nehmen die Leistungen der Schüler und Schülerinnen in Deutschland immer weiter ab, die Chancengleichheit ist bei uns im Vergleich zu den anderen Ländern besonders niedrig. Immer weniger junge Menschen möchten den Beruf der Lehrkraft ergreifen. Und die Mammutaufgabe des Ganztages steht uns noch bevor.
Aber anstatt, dass alle verfügbaren Ressourcen genutzt werden, um den negativen Trend entgegenzuwirken, wird ausgerechnet bei Bildung gespart. Mit dem Argument, das auch in im Bereich Bildung zur Konsolidierung beigetragen werden muss.
Ich will nicht abstreiten, dass es auch Maßnahmen seitens der Regierung gab, um den Bildungsbereich zu stärken und dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken. Ein wichtiger Punkt ist hierbei die Ausweitung der Perspektivschulen.
Aber was bringt zum Beispiel die Erhöhung von zwei Stunden in der Kontingentstundentafel der Grundschule, wenn dann das dreifache der Stunden in der Kontingentstundentafel ab der fünften Klasse wieder reduziert wird, obendrauf wird dann noch ein neues Fach eingeführt und somit noch mehr Druck im Lehrplan erzeugt.
Es werden Lehrkräftestellen gestrichen, die Unterrichtsversorgung reduziert und die DAZ-Klassen vergrößert, dann wird auch noch aktuell in der Kontingentstundentafel gekürzt.
Das geht so nicht!
Es darf nicht noch mehr an den Bildungsqualität unserer Kinder gespart werden. Sie brauchen ein funktionierendes und stabiles Bildungssystem damit sie gut gerüstet mit allen ihren Fähigkeiten und Kompetenzen ins Erwachsenenleben starten können.
Mit Blick nach Berlin sollte man die Chance nutzen und das Geld, dass jetzt zur Verfügung stehen wird auch in Bildung investieren. Am besten, indem die im Antrag genannten Schritte umgesetzt werden und die Kürzungen und Reduzierungen zurück genommen werden. Auf Bundesebene hat man nun erkannt, dass man mit rigorosen Sparmaßnahmen nicht weiterkommt und deshalb werden uns jetzt als Land Mittel zur Verfügung gestellt.
Sorgen Sie also für eine stabile Unterrichtsversorgung mit ausreichend Stunden in den Kontingentstundentafeln.
Es wird in den Anhörungen im Bildungsausschuss immer wieder deutlich, welche zusätzlichen Anforderungen auf das Bildungssystem zukommen, Verbraucherbildung, Finanzbildung,
Medienbildung, Politik und Demokratiebildung - all das sind Themen, mit denen sich Schulen befassen müssen um eine bestmögliche und lebenspraktische Ausbildung unserer Kinder zu gewährleisten. Da ist die Einführung des Faches Informatik, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und bei Kürzung in der Kontingentstundentafel eher kontraproduktiv.
Wir haben so viele tüchtige und engagierte Lehrkräfte und Schulleitung in unserem Land, die versuchen das Beste aus den zur Verfügung stehenden Ressourcen hinzubekommen.
Sie zaubern Stundenpläne für die Lehrkräfte und Unterrichtpläne für die Schüler und Schülerinnen. Das muss wertgeschätzt werden und mit allen Kräften unterstützt werden.
Und hier gilt- viel hilft viel!
Mehr Lehrkräfte, mehr Unterricht, mehr Multiprofessionalität an Schulen und ja - mehr Geld!
Wenn jetzt wieder der Vorwurf kommt, tolle Ideen - würden wir auch gerne alles haben, aber es gibt kein Vorschlag der Finanzierung. Hier mein Vorschlag – überlegen Sie sich sehr gut, was sie mit den erwarteten Bundesmitteln finanzieren wollen und wo diese Mittel am besten nachhaltig und zu Gunsten des Landes eingesetzt werden sollen- um das Thema Bildung werden sie dabei nicht vorbeikommen.